Wörter, ob gesprochen oder geschrieben, sind so eine Sache. Sie helfen uns, miteinander zu kommunizieren, uns zu verständigen, können Klarheit bringen. Gleichzeitig können sie die Dinge  verkomplizieren, zu Missverständnissen führen, uns in den Verstand bringen und aus dem Kontakt. Sprache ist eben „nur“ eine Technologie und wird von jedem Menschen unterschiedlich verwendet.

„Es konnten ja nicht einmal zwei Menschen wirklich miteinander sprechen, dazu bedurfte es schon eines Glückfalls (…). Nein, es war ein Glück, dass die Liebe keiner Worte bedurfte; sie wäre sonst voll Missverständnis und Torheit geworden.“ lässt Hermann Hesse denn auch den Goldmund in seinem Roman „Narziss und Goldmund“ so treffend denken.

Ich glaube schon, dass unsere Kommunikation der klaren gesprochenen (und/oder geschriebenen) Sprache bedarf. Und ich stelle fest, dass es so viele andere Möglichkeiten der Kommunikation gibt, gegenüber denen ich der gesprochenen Sprache bisher vielleicht einen übersteigerten Wert einräume. Das mag teilweise kulturell bedingt sein. Nun befinde ich mich in einer anderen Kultur, in der die Dinge nicht immer klar aus- oder überhaupt erst angesprochen werden. Glücklicherweise habe ich einige wohl gemeinte Ratschläge erhalten, die mich darauf hinwiesen, dass gesprochene Kommunikation in Neuseeland anders „funktioniert“ und dass die deutsche Direktheit bei den Menschen hier nicht so ankommt sondern dazu führt, dass sie sich eher verschließen und abblocken. So richtig kapiere ich das erst beim selbst Erleben. Ich merke aber auch, dass es mich ganz unruhig macht, wenn Konflikte nicht bis ins Letzte sprachlich aufgelöst, geklärt werden. Vielleicht ist das ja auch wichtig.

Momentan experimentiere ich damit, dieses Konzept des Alles Aussprechens loszulassen. Andere Formen der Kommunikation wahrzunehmen, eher nonverbaler Art. Was ich ganz spannend dabei finde ist, dass mir zugleich auffällt wie auch Hund und Katze und andere Lebewesen nonverbal kommunizieren. Irgendwann vor langer Zeit haben auch wir Menschen ja ganz ohne Wörter miteinander kommuniziert. Klar, das hat sicher auch zu Missverständnissen geführt. Worauf ich hier nur hinaus will ist, in Betracht zu ziehen dass diese nonverbale Kommunikation mindestens genaus wichtig sein könnte – und dass wir durch unsere Fixierung auf das gesprochene Wort dazu tendieren könnten, im Wortnebel verloren zu gehen.

Jean M. Auel greift das Thema in ihren Ayla-Büchern ebenfalls auf, fällt mir da ein, und lässt die vor ca. 35.000 Jahren lebende Protagonistin Ayla erstaunt feststellen, dass die gesprochene Sprache reich an Lügen, während die Körpersprache der Lügen unfähig sei.

So eröffnet mir mein Experiment mit der ungesprochenen (und ungeschriebenen) Kommunikation vielleicht einen ganz neuen Zugang zu meiner Umwelt. Ein holistischerer Ansatz könnte das sein: Das Bewusstsein für nonverbale Kommunikation zu schärfen und dadurch in einen ganz anderen Kontakt mit Mensch und Tier (und Pflanze?) zu kommen. A propos Pflanzen: Dass auch Bäume ganz nonverbal kommunizieren ist inzwischen wohl gesicherte Erkenntnis. Dazu kann ich nur Peter Wohlleben’s Buch „Das geheime Leben der Bäume“ empfehlen.

Ein mit literarischen Hinweisen gespickter Beitrag ist das geworden. Ich freue mich auf eure Gedanken dazu – gerne auch ganz nonverbal!

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