Kennst Du das: Du hast Dir etwas sehr gewünscht – sagen wir, eine Veränderung, andere Umstände, oder ähnliches – und dann wird es wahr (ja, das funktioniert! Wünsch dir was!) und Du freust Dich und sobald die Anfangsenergie verflogen ist, fehlt Dir der Antrieb und Du hast den Eindruck, dass Du noch etwas anderes brauchst, um wirklich glücklich und zufrieden zu sein? Dir gehen die Ausreden aus und Du suchst Dir neue?

Mir ging es die letzten Tage so. Seit dem Beginn meines Jurastudiums haderte ich damit, nicht genug Zeit und Raum zu haben, um zu zeichnen, zu malen, zu töpfern, zu skulpturieren, etc. Ich machte die äußeren Umstände dafür verantwortlich, dass ich nicht kreativ sein „konnte“ – weil mir die Zeit fehlte oder ich keinen Platz hatte um meine Utensilien aufzubauen und stehen zu lassen. Ich wünschte mir mehr Zeit und einen Raum, in dem ich alles stehen und liegen lassen könnte um jederzeit etwas tun zu können ohne mich von dem Aus- und Aufräumen abschrecken zu lassen.

Nun habe ich diesen Raum. Ich habe nun auch mehr Zeit, kreativ zu sein. Interessanterweise stellte ich fest, dass ich die Zeit und den Raum nicht wirklich nutze. Stattdessen erfand ich neue Gründe, warum ich nicht zeichne, male, skulpturiere, kreativ bin. Meine Gedanken wanderten hin zu dem, was fehlt: ich bräuchte mehr Menschen um mich, andere Utensilien, einen anderen Raum und so weiter. Da wurde mir klar, dass es alles in mir beginnt. Es gibt im Moment keinen Bürojob auf den ich schimpfen könnte, dass er mich auslaugt und mir Zeit und Energie raubt und mich daran hindert, endlich anzufangen mit dem was mir Energie gibt. Mir gehen, wenn ich ganz ehrlich bin, die Ausreden aus – die neu erfundenen kann ich zum Glück nicht mehr so richtig ernst nehmen. Ich habe alles, was ich brauche und es geht nur darum, dass ich vom Träumen zum Handeln wechsle.

Bei mir steht dahinter die Angst: Angst, dass mein Gedankenkonstrukt über meine Kreativität in sich zusammenbricht; dass es nicht meinem Traumbild entspricht; dass ich an meinen fehlenden Fertigkeiten scheitere; dass ich nicht erfolgreich damit sein werde; dass meine Erwartungen enttäuscht werden.

Nun ist das mit der Angst eine interessante Sache. Wir mögen ja gerne glauben, Angst sei schlecht. Sie mache uns schwach und sei kindisch und was auch immer wir sonst noch dazu abgespeichert haben. Dabei ist Angst nur das: Angst. Eine neutrale Energie, die uns unterstützen kann. Welch‘ wichtige Rolle Angst bei Veränderung spielt, hatte ich schon einmal beschrieben (Angst und Veränderung). Es könnte sogar sein, dass Angst eine Voraussetzung für jeden kreativen Prozess ist!

Für mich geht es also die nächsten Tage darum, mit der Angst im kreativen Kontext zu experimentieren. Dass die Wut dafür auch ein wichtiger Bestandteil ist, konnte ich die vergangenen Tage schon beobachten. Dazu dann ein anderes Mal mehr.

Wie macht ihr das wohl mit euren Ausreden und weshalb sucht ihr euch neue?

3 thoughts to “Wenn Dir die Ausreden ausgehen

  • elkeactioncomm

    Liebe Julia wie immer ein sehr inspirierender post! Danke. Ich werde mir mal über all meine Ausreden Gedanken machen 🙂 … Bacio Grande Elisabeth

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    • JuliA

      Liebe Elisabeth, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass er Dich inspiriert! Un bacio a te!

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  • Pingback: Zentrieren – Lifeisnow!

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