Seit einiger Zeit treibt mich die Frage um: Warum (darstellende) Kunst? Was ist es, das uns Menschen an Kunst so fasziniert und berührt?

Wenn ich ehrlich bin entstand diese Frage wohl aus dem Bedürfnis, mein eigenes Interesse an der Kunst zu verstehen. Als es um meine Berufswahl ging erschien mir Kunst brotlos und auch etwas hippie-mäßig. Das war mir suspekt. Da studierte ich lieber Jura mit dem Ausblick auf ein sicheres Einkommen. Parallel dazu reifte diese andere Frage in mir. Allmählich gewinne ich den Eindruck, dass sie größer ist, als mir das auf den ersten Blick erschien – dazu gleich.

Was liegt näher, als zunächst einmal in die Vergangenheit zu blicken. Wenn es einen Grund gäbe, warum die ersten figürlichen Darstellungen erschaffen wurden, könnte das erklären, was da noch immer in uns angesprochen wird. Mir ist klar, dass dieser Frage schon so einige nachgegangen sind. Nun will ich sie selbst erforschen und vor allem: erfahren.

Meine erste Kurz-Recherche im Internet warf mir Frauen-Figurinen aus der Altsteinzeit aus. Also machte ich mich eines (Herbst-)Tages im Jahre 2015 auf den Weg ins Urgeschichtliche Museum von Blaubeuren in der Schwäbischen Alb, um mir die (ca. 40.000 Jahre alte) „Venus vom Hohle Fels“ – eine kleine, 6cm hohe, vollleibige Frauenfigur aus Mammutelfenbein – anzusehen. Ich nahm die Landschaft um Blaubeuren wahr, stellte mir vor, wie das Leben an einem diesig-grauen Herbsttag vor 40.000 Jahren ausgesehen haben mag, und verbrachte geschlagene drei Stunden im Museum, bevor ich angefüllt mit Erfahrungen und Mosaiksteinen an Erkenntnissen ins Ulmer Museum fuhr, um mir dort einen Eindruck vom „Löwenmensch“ – ein Löwenkopf mit menschlichem Körper, 31,1 cm hoch und aus Mammutelfenbein geschnitzt – zu machen. Dazu berichte ich gerne an anderer Stelle mehr.

Ich nahm jedenfalls die Erkenntnis mit, dass bis heute die Bedeutung der Schnitzereien nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann. Einiges spricht für eine spirituelle Motivation. Für die Frauenfiguren wird inzwischen vielfach angenommen, dass sie von Frauen geschnitzt wurden, was mir sehr einleuchtet. Und zum Teil werden sie auch als Hinweis auf eine matriarchale Gesellschaftsstruktur gedeutet.

Das wirkte in mir nach. Als ich kurze Zeit später in Apulien war, besuchte ich dort eine am Mittelmeer gelegene Höhle (Grotta di Uluzzo), die ebenfalls ungefähr in dieser Zeit, vor ca. 30.000 Jahren, bewohnt war. Dort erfasste mich das Gefühl einer ungeheuren Urkraft. Allmählich dämmerte mir, dass meine Suche nach dem Ursprung der Kunst zugleich eine Suche nach der (weiblichen) Urkraft sein könnte. Ob beides nun wirklich zusammenhängt oder mich das eine zum anderen führt, weiß ich nicht, und es tut auch nichts zur Sache. Es bleibt jedenfalls spannend und, ja, ich glaube das sind große Fragen!

Grotta di Uluzzo

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