Ich wollte heute einen Blog zum Thema Angst schreiben. Vielleicht würde das sogar ganz gut zu dem passen, was viele heute fühlen, seit sie die Nachricht vom unerwarteten Wahlausgang in den USA gehört haben. Ich fühle jedenfalls eine gehörige Portion Angst vor dem, was nun kommen mag.

Und etwas anderes beschäftigt mich noch stärker. Etwas, das ich seit einiger Zeit in meinem Umfeld wahrnehme und dessen Kulmination ich heute mit der Wahl von Donald Trump beobachte: Die Vorherrschaft – ja, den Wahlsieg – des Patriarchats.

Da hat das US-amerikanische Volk die Wahl zwischen einer Frau (des „verstaubten Establishments“) und einem Mann (weiß, durch rassistische und frauenfeindliche Äußerungen im Wahlkampf aufgefallen) und es gewinnt: Donald Trump. Welcher Regierungschef gratuliert ihm als einer der ersten? Wladimir Putin, ein mindestens ebenso typisches Exemplar eines für das Patriarchat stehenden Mannes. Zwei der größten Nationen der Welt werden künftig von zwei Männern regiert, die nahezu sinnbildhaft das Patriarchat verkörpern. Was sagt das über unsere Welt aus?

Auch wenn es mir schwer fällt, weil auch ich durch patriarchale Denkstrukturen geprägt bin: Ich will das nicht bewerten. Das Patriarchat ist nicht schlecht oder falsch – und es bewirkt bestimmte Resultate, wie etwa die Vorherrschaft als universelle Regel innerhalb von Organisationen, Privateigentum, Kriege, die Würdigung abstrakten, linearen Denkens und der Leistung als oberste Prinzipien, Ausbeutung, Profit und ewiges Wachstum, Konkurrenz und Bewertung.

Was mich daran aufrichtig schmerzt ist der Mangel an bewusster Weiblichkeit, der dadurch ensteht, weil dafür so wenig Raum bleibt. Damit enthalten wir uns so viel dessen vor, was sonst noch möglich wäre: z.B. Gleichheit, Gegenseitigkeit, Lebenslust, Intuition, Gefühle, gemeinsame Benutzung, Teilen, liebevollen Umgang miteinander.

Ich beziehe mich hier nicht auf ein „Männer gegen Frauen“. Weiblichkeit als ein Prinzip steckt auch in Männern, und Frauen stehen heute ebenso für das Patriarchat wie Männer (was auch die Trump-Wählerschaft zeigt: Die Stimmen erhielt er u.a. von 52% der weißen Wählerinnen). Nein, ich meine schlicht, der Welt fehlt etwas, wenn es an Weiblichkeit mangelt.

Was können wir nun damit tun? Fangen wir doch bei uns selbst an. Wir können Dinge wie Gleichheit, Intuition, Gemeinschaft, Miteinander, Teilen, liebevollen Umgang usw. selbst leben und fördern, dafür gehen und einstehen.

Wir können auch ein kleines Experiment wagen, indem wir unsere Wahrnehmung schulen: bei uns selbst beobachten, aus welcher Perspektive wir die Dinge im täglichen Leben wahrnehmen. Wenn wir versuchen, sie aus einer anderen Perspektive zu beobachten, aus der wir die verborgenen Intentionen des Patriarchats, die durch uns wirken, wahrnehmen, könnten wir auf völlig neue Ideen stoßen, wie die Dinge sein könnten – jenseits jeder patriarchalen Realitätsgrenze.

Ich will das Experiment wagen und bin gespannt, von euren Wahrnehmungen und Erfahrungen dazu zu hören.

Wenn es dann darum geht, etwas zu verändern, kommt die Angst ins Spiel. Dazu in meinem nächsten Blog-Eintrag!

 

4 thoughts to “Wahlsieg des Patriarchats

  • Elisabeth

    Liebe julia ein toller Beitrag der mich zum öffnen und teilen anregt. Nicht zum alle gegeneinander sondern zum oh wow ja wir brauchen beides – männliche wie auch weibliche energien. Ich werde meine eigene handlungsweisen darauf prüfen und das was mir fehlt mehr inkludieren. Danke!

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  • Hach-Neumann

    Gabriele, 11.11.2016

    Genau, das ist es. Ohne weibliche, ohne männliche Energie, jeweils gut dosiert, gegenseitig akzeptiert, läuft das Zusammenleben disaströs. Auf zu stärkenden Ufern! Ja zum Leben ! Super der Beitrag. Grundlage für interessanten und hoffentlich fruchtbaren Austausch. Auch Dank !!!

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  • JuliA

    Liebe Elisabeth und Gabriele,
    ich freue mich sehr über eure Kommentare! Ich höre sehr gerne von euch, was ihr dazu bei euch wahrnehmt und wie ihr euer Verhalten in Bezug auf das Patriarchat in euch verändern könnt.
    Herzliche Grüße
    Julia

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