In den vergangenen Wochen ist so vieles geschehen, das ich teilen will und gleichzeitig fühle ich Angst, dadurch zu transparent und damit verletztlich zu werden.

Ich will Menschen dazu ermutigen, ihr Sein zu leben und sich nicht von äußeren Einflüssen konditionieren zu lassen. Das Internet ist eine wunderbare Plattform, um Erfahrungen zu teilen und mit wildfremden Menschen in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig werden Systeme immer besser vernetzt und durch die Preisgabe von Informationen über das eigene Leben mache ich mich auch angreifbar. 

Dem wird gerne entgegengehalten, dass keine sich sorgen muss, die nichts zu verbergen hat. Und ich kann nicht immer wissen, ob ich etwas zu verbergen habe. Es könnte sein, dass ich jetzt Informationen preisgebe, die später zum Verhängnis werden. Auch werden Verfehlungen leichter nachvollziehbar. Das liegt sicher im Sinne der „Generalprävention“, nimmt aber auch Raum für Individualität und Fehler. Wenn wir für (nur allzu menschliche) Fehler keinen Raum mehr haben dann ist es als würde die Luft zum Atmen fehlen.

Ich nehme gerade wahr, dass weltweit viele Staaten ihre Grenzen dicht(er) machen und sich gegen die Gefahren von außen zu schützen suchen. Das macht es schwieriger, so global zu leben wie es mit modernen Transport- und Kommunikationsmitteln möglich ist. Eine Präsenz im Netz ist dabei nicht unbedingt hilfreich.

Hatte ich meinen Reisepass bisher immer mit großer Freude angesehen, schaue ich ihn inzwischen skeptischer an. Mir ist jetzt bewusst, dass ich in meiner neuen Wahlheimat nur zu Gast bin. Ein Verstoß gegen eine Regel hier kann zur Ausweisung führen. Ich habe in den vergangenen Wochen mittelbar erfahren wie es sein kann, eines Landes verwiesen zu werden. Es war für mich bisher unvorstellbar, dass ein Staat bei der Einreise während der Überprüfung eines Visumsantrags jegliche Kommunikation zur Außenwelt unterbindet, das Internet auswertet, Dich (acht) stundenlang verhört, in Handschellen abführt und in ein Gefängnis steckt, um Dich am nächsten Morgen ohne Nachricht an Deine Angehörigen an Deinen letzten Abflugort zurückzuschicken. Ich habe mich selten so hilflos gefühlt, eine mir sehr nahestehende Person nicht erreichen zu können, sie nicht unterstützen zu können.

Mir war bisher auch nicht klar, dass die Ausweisung aus einem Land bedeuten kann, dass eine ganze Reihe anderer Staaten Dich ebenfalls nicht mehr einreisen lässt. Das kann dann auch sein wie ein Gefängnis. Nur dass das Gefängnis die große weite Welt ist und die Freiheit an diesen nicht erreichbaren Orten zu liegen scheint.

Ich kann nachvollziehen, warum wir Menschen uns in Staaten organisieren und warum Staaten sich gegen eine unkontrollierte Einreise schützen. Gleichzeitig fühle ich Traurigkeit, wenn es immer mehr darum geht, Menschen zu trennen statt Verbundenheit zu fördern. Dabei habe ich eine vage Vorstellung, dass es auch völlig anders sein könnte: Was wäre eine Welt ohne Grenzen, in der wir dafür sorgen, dass unsere Handelspartner in ihrer Heimat ein gutes Leben haben können, in der wir nicht in der ständigen Angst leben, dass uns jemand etwas wegnehmen will, in der wir kein Nullsummenspiel spielen: in der „Gewinnen geschieht“?

Hast Du dazu noch Ideen, Vorstellungen?

 

3 thoughts to “Von Gefängnissen

  • Pingback: Lifeisnow!

  • Elisabeth

    Meine Liebe
    Ja diese Erfahrung hat und wird viel auslösen. Danke für deine Offenheit .

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    • JuliA

      Ich danke Dir – dafür dass Du Dich nicht einsperren lässt.❤️

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