Diese Woche hatte ich ein Aha!-Erlebnis. Ich las über frühe altsteinzeitliche Kunst und stolperte dabei über die sog. „mitochondriale Eva“. Erste Forschungsergebnisse dazu wurden bereits 1987 veröffentlicht und ich kann es kaum glauben, dass ich jetzt zum ersten Mal davon höre! Habe ich da im Biologie-Unterricht geschlafen oder wird das etwa nicht gelehrt (was beides eine Schande wäre!)?

Das bisschen, das ich mir dazu angelesen habe, kommt im Wesentlichen aus Wikipedia, und auch die ZEIT berichtete dazu jüngst: Offenbar ist archäogenetisch belegt, dass alle heute lebenden Menschen durch eine direkte Abstammungslinie aus der mitochondrialen DNA (mtDNA) einer Frau, der „mitochondrialen Eva“, hervorgegangen sind. Erkannt wurde das durch eine Analyse der Mitochondrien – eigenständige Gene, die vor allem als Energielieferanten der Zelle dienen und die sowohl bei Männern als auch bei Frauen aus der Eizelle stammen, also nur von Müttern an ihre Kinder weitervererbt werden.

Letztlich sind danach alle Menschen über ihre mütterliche Linie miteinander verwandt und hatten irgendwann eine gemeinsame Vorfahrin. Dabei müsste die „mitochondriale Eva“ theoretisch nicht einmal unserer Art angehört haben und könnte bereits einer Vorgängerart entstammen. Bei Betrachtung anderer Gene könnte sich auch jeweils eine andere gemeinsame Vorfahrin ergeben, die wesentlich jünger oder älter sein kann. Die mitochondriale Eva war offenbar weder die erste Frau noch die einzige Frau zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie hatte viele Zeitgenossinnen; während die mitochondrialen Erblinien der anderen Frauen ausstarben überlebte die von Eva. Ihre Lebenszeit und -ort lassen sich durch mtDNA-Analyse einer repräsentativen Anzahl heute lebender Menschen eingrenzen.

Die erste Veröffentlichung zu dem Thema (1987, Cann et al.) kam zu dem Ergebnis, dass unsere gemeinsame Vorfahrin vor etwa 200.000 Jahren gelebt haben muss. Die Studie wurde im Kern durch spätere bestätigt. Zuletzt gelangte eine 2013 publiziert Studie zu dem Ergebnis, die „mitochondriale Eva“ habe vor 99.000 bis 148.000 Jahren gelebt. Weiter wurde herausgefunden, dass es für die neuzeitlichen Europäer sieben (andere Ansicht: elf oder zwölf) mitochondriale Abstammungslinien dieser gemeinsamen Vorfahrin gibt, die sog. „sieben Töchter Evas“ (für die gesamte Weltbevölkerung ist die Zahl beträchtlich größer). Sechs dieser sieben europäischen Urmütter sind wesentlich älter als 10.000 Jahre, eine ist 10.000 Jahre alt. Die sieben Frauen erhielten die Namen Ursula, Xenia, Helena, Velda, Tara, Katrine und Jasmine.

Was mich an dieser Geschichte so fasziniert ist, dass ich erst neulich zum ersten Mal wirklich das tiefe Gefühl hatte, wir seien tatsächlich alle „eins“. Diesem Gefühl entspricht dann die wissenschaftliche Erkenntnis, dass wir alle miteinander verwandt sind – dazu noch über die mütterliche Linie (und es gibt offenbar auch einen „Adam des Y-Chromosoms„)! So wirkt also vielleicht unbewusst über unsere Ahninnen auch das Matriarchat oder eine „weibliche Urkraft“ in uns fort, wie ich das auch zunehmend wahrnehme.

Und wenn nun jede/r diese tiefe Erkenntnis über unserer aller Verwandtschaft haben könnte, gäbe es dann so viele Konflikte und Zerstörung auf der Welt?

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