Mein nächstes Abenteuer heißt: Neuseeland. Dahin bin ich aufgebrochen und bei langen Reisen gibt es – wie bei sonstigen Veränderungen – immer einen Transit: Zeit an einem fremden Ort, der nicht mehr so ist wie der Zurückgelassene und auch noch nicht so wie der Zielort, sondern ganz anders. In meinem Fall hieß der Transit Shanghai. 17 Stunden, in denen ich einen klitzekleinen Einblick in eine mir völlig fremde Kultur erhielt. Ganz im Sinne eines Übergangs nahm ich einige wertvolle Erfahrungen und Hinweise für die Zukunft mit.

Es begann damit, dass ich aus dem Transrapid (Maglev) stieg und von einer quirligen aufgeschlossenen Frau angesprochen wurde, die sich ebenfalls im Transit befand und zum Stadtzentrum durchschlagen wollte. Sie fragte mich ob wir die Stadt zusammen erkunden wollen, und los ging es. Ich hatte noch keine Yuan und so hielt sie mich bei Bahn, Taxi und Kaffee großzügig aus. Ich hatte den Eindruck sie machte das gerne, also übte ich mich darin, das Geschenk dieser Frau einfach anzunehmen. Das will ja auch erst einmal gelernt sein.

Sherly musste schon mittags wieder zurück zum Flughafen, also bummelte ich noch ein bisschen alleine am Fluss entlang, wo sich allmählich auch der Nebel lichtete und die Skyline enthüllte. Mit dem Fotoapparat bewaffnet ließ ich mir Zeit, probierte ein bisschen aus. Mehrere chinesische Männer baten mich mit ihrem Handy in der Hand um Hilfe. Ich dachte zuerst sie wollten von mir fotografiert werden, doch gefehlt! Sie wollten mit mir fotografiert werden! Was das wohl sollte? Auch eine Frau bat darum, dass ihr Mann uns gemeinsam fotografieren dürfte. Ich bin jetzt also ein bisschen berühmt 😉 (und um eine Erfahrung reicher).

Ich schlenderte in die Fußgängerzone – überrascht dass es so etwas gibt! – und sah einige Massagesalons. Eine Fussmassage wollte ich mir gönnen und so landete ich bei „Sunny Massage“. 60 Minuten Fussmassage – ein „first“ für mich! Der gute Mann sprach kaum Englisch und als ich versuchte ihn zu fragen, ob er auf traditionell chinesische Art massiere, verstand er offenbar dass ich im Anschluss eine chinesische Ganzkörpermassage wollte. Das dämmerte mir als er mir nach der Fußmassage sagte, ich solle kurz duschen – um mir eine Badewanne einzulassen. Als mir das bewusst wurde dachte ich mir „sei’s drum“, ich hatte ja massig Zeit und war auch ganz schön verspannt.
 So saß ich plötzlich in Shanghai im Massagezentrum in einer Holzbadewanne, um im Anschluss 90 Minuten mit für mich zum Teil etwas gewöhnungsbedürftigen Techniken massiert zu werden. Das ging teilweise so weit dass ich ihm ein-/zweimal klar sagte, dass mir etwas nicht gefiel. Spannend zu merken, wie hoch meine Toleranzschwelle ist, bis ich Grenzen setze. Da ist doch noch oft das angepasste Mädchen in mir. Wie wertvoll, daran erinnert zu werden!

Ziemlich entspannt verließ ich die Wellness-Oase ca. 2 1/2 Stunden später. Ich besorgte  mir noch etwas Chinesisches zu Essen und fuhr mit dem Maglev-Zug wieder zurück. 450km/h fühlen sich schon ganz schön schnell an.

Nächster Halt: Neuseeland.

One thought to “Transit”

  • Sehr interessant und fast ein bisschen aufregend. Sehr interessant geschriebe und als geschichte sehr schoen. Diese erfahrung ist gottsei dank positiv ausgegangen.

    Duper

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