Mir wollte nicht so recht einfallen, was ich schreiben könnte. Es sind immer mal wieder Ideen aufgetaucht – und wieder vorüber gezogen. Deshalb will ich jetzt einfach mit euch teilen, wie es mir ergangen ist, so Zwischendrin.

In den Wochen seit meiner Kündigung habe ich vor allem Angst gespürt: Angst vor der Veränderung und davor, nicht zu wissen was kommt. Auch Angst davor, der Veränderung, die ich angestoßen habe, nicht gewachsen zu sein. Und davor, nicht zu wissen was ich eigentlich will. Die Verwirrung in meinem Kopf ist dazu manchmal schon erstaunlich groß.

Hin und wieder stellt sich auch ein großes Maß an Traurigkeit bei mir ein: Traurigkeit über den bevorstehenden Abschied und darüber, dass ich meine Entscheidungen in der Vergangenheit so getroffen habe um jetzt da zu stehen, wo ich stehe. Darüber, dass ich mich immer wieder sehr angepasst verhalten und meine innersten Bedürfnisse hinten angestellt habe. Und auch darüber, dass die Stimmen in meinem Kopf mir so wenig zutrauen und mich klein zu halten versuchen.

Erstaunlich selten fühle ich Wut: Auf mich, weil ich so zögerlich agiere, weil ich mich nicht festlege und unverbindlich bleibe (was auch dazu geführt hat, dass ich da bin, wo ich bin). Weil ich mich von den logischen Argumenten anderer einlullen lasse und dann aufhöre dafür einzustehen, was mir wichtig ist. Und auch, weil ich mich die letzten Jahre deutlich unter Wert verkauft habe und trotzdem versucht wird, mir zu vermitteln, ich schulde dem Unternehmen etwas dafür, dass ich einfach nur von meinem Recht Gebrauch mache, zu gehen.

Und dann ist da auch Freude! Ich freue mich, dass ich jetzt ganz groß träumen und mein Leben neu gestalten kann. Ich freue mich auf die Abenteuer, die auf mich warten. Ich freue mich darüber, dass ich den Mut habe, für mein Leben einzustehen und meinen Bedürfnissen JETZT mehr Raum zu geben.

Ich spüre Dankbarkeit für das, was ich in den letzten Jahren in meinen Aufgaben und meinem Team erfahren durfte, was mir ermöglicht wurde, und dass mir Wertschätzung entgegengebracht wurde – ja,  immer noch wird.

Letzte Woche entschied ich mich dann, bis zu meinem Ausscheiden freudvoll zur Arbeit zu gehen. Das ist ein sehr spannendes Experiment! Denn es wäre so einfach, jetzt alles loszulassen, gelangweilt und unmotiviert zu sein um mit den Gedanken nur noch in die Zukunft zu fliegen. Dabei findet das Leben JETZT statt! Und das Jetzt kann ich – freudvoll – gestalten.

Geht es euch ähnlich? Habt ihr schon gekündigt oder steht kurz davor? Wie geht ihr mit dieser Situation um? Ich freue mich über eure Kommentare!

4 thoughts to “So Zwischendrin

  • Kiki

    Hei JuliA,

    ein sehr schöner Artikel…und ich verstehe ganz genau, wie du dich fühlst! Ich war auch eine Weile im Einzelhandel angestellt, aber die Arbeit hat mich schnell „gelangweilt“. Daher habe ich gekündigt und angefangen zu studieren – eine tolle Zeit! Aber auch hier habe ich mich nie so richtig wohl gefühlt, habe den Studiengang und die Uni gewechselt, nur um festzustellen, dass sich das Problem damit nicht lösen lässt. Mein Leben hat sich bis hierher immer wie ein Kleidungsstück angefühlt, dass mir eigentlich schon längst zu klein geworden ist…
    Inzwischen habe ich vor der Gesellschaft zwar noch den Status „Student“, im Kopf habe ich mit dem Studium aber schon längst abgeschlossen. Jetzt stehe ich da und habe auch immer mal wieder Angst, weil ich nicht weiß, was als nächstes kommt. Gleichzeitig freue ich mich aber, da ich das erste Mal in meinem Leben die Zeit und die Möglichkeit habe meine Fähigkeiten kennenzulernen und auszuprobieren. Und auch diese Freiheit schüchtert mich manchmal ein…da bin ich nun und suche nach meiner Berufung ^^

    Das, was du hier tust, finde ich klasse. Ich wünsche dir bei deinem Weg ganz viel Kraft! Du hast jetzt auf jeden Fall einen neuen Follower!

    Kiki

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    • JuliA

      Liebe Kiki,

      Wow! Danke für Deinen Kommentar. Es tut mir leid, dass ich so lange für eine Antwort gebraucht habe.
      Dabei finde ich es so ermutigend zu hören, dass es Dir ähnlich geht!
      Wie gehst Du vor, um Deine Berufung zu finden?
      Herzliche Grüße und ich freue mich, wieder von Dir zu lesen!
      Julia

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      • Kiki

        Hei Julia,

        schön, dass du mir geantwortet hast, damit hab gar nicht gerechnet ^^
        Was ich tue um meine Berufung zu finden? Mhm…das weiß ich selbst nicht immer so genau. Ich glaube, ich versuche mich losgelöst von allen gesellschaftlichen und familiären Erwartungen auf das zurück zu besinnen, was ich früher bereits wusste…erstaunlicherweise muss ich nämlich feststellen, dass ich als Kind schon sehr gut wusste, wer ich war und was ich konnte, was ich wollte und was nicht. Im Laufe der Zeit habe ich vieles davon tatsächlich vergessen oder verdrängt und muss es jetzt erst mühsam wieder entdecken.
        Eigentlich bin ich sozusagen gerade dabei mich selbst kennenzulernen…Wer bin ich? Was kann ich? Und die Antworten darauf sehen auch jeden Tag anders aus. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie zusammengehören…wie bei einem Gemälde im Stile des Pointilismus: jeden Tag setzt man einen einzelnen Punkt auf die Leinwand, an guten Tagen vielleicht auch zwei. Nach langer Arbeit kann man schließlich zurücktreten und erkennt dann erst das Gesamtbild. Und dieses Bild bin dann ich! Mit all meinen Stärken und Schwächen, Macken und Talenten…und danach werde ich auch den Ort finden, an dem ich das Bild aufhängen kann. Nämlich dort, wo es hingehört. Da, wo es sein soll. Dort ist dann meine Berufung…

        Sich selbst zu erkennen ist nicht einfach, aber ich glaube es lohnt sich ^^

        Viele liebe Grüße,
        Kiki

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        • JuliA

          Liebe Kiki,
          vielen Dank für Deine Offenheit und dass Du das so großzügig teilst. Mir hilft es sehr, zu lesen wie Du Dich aufmachst, Deine Berufung zu leben. Malst Du Dein Lebensbild auch ganz plastisch mit Leinwand und Pinsel?
          Herzliche Grüße
          Julia

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