Ich habe mich heute im Wald verlaufen. Quasi mit Ansage. Ich lief munter drauf los, fröhlich telefonierend bis der Akku leer war, so dass ich nicht mehr aufs GPS zugreifen konnte. Da war mir klar, dass es um (billigend in Kauf genommenen) Kontrollverlust geht, und das hat dann natürlich mit Loslassen zu tun.

Im Grunde mache ich das ja gerade auch mit meinem Leben: sehenden Auges rausche ich ins Ungewisse. Wer weiß, was dann kommt? Ich könnte mehr planen, und damit tue ich mich derzeit schwer. Ich habe  auch Lust darauf, die Kontrolle zu verlieren, loszulassen und zu sehen, was dann passiert – welche Möglichkeiten dann auftauchen und wohin mich das führt. Gleichzeitig schwingt da eine gehörige Portion Angst mit. Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, finanziell und gesellschaftlich abzugleiten, mein Leben an die Wand zu fahren.

Mein heutiges Wald-Experiment bietet dafür eine schöne Parabel, finde ich. Schon länger hatte ich vor, einfach drauf loszulaufen – doch ich schaute bei meinen Spaziergängen immer wieder aufs Smartphone um zu wissen, wo ich war. So ganz ohne „Saft“ musste ich nun loslassen und darauf vertrauen, dass ich mich schon zurecht finden würde. So sah ich mir die Natur genauer an, beobachtete die Umgebung, schaute, ob ich Stellen wieder erkannte, und versuchte, mich zu orientieren (was mir mit dem wolkenbehangenen Himmel schwer fiel). Wenn ich den Eindruck hatte, die Orientierung vollends zu verlieren, sprach ich Spaziergänger an, die plötzlich auftauchten. Sie kannten sich aus und wiesen mir den Weg. Durch den winterlichen, leicht schneebedeckten Wald stapfend erfasste mich wieder einmal eine tiefe innere Ruhe und mir wurde klar, dass es eigentlich nur darum geht, Liebe in die Welt zu bringen.

Nun ist es denke ich nicht allzu gefährlich, sich im gut besuchten und dicht besiedelten vorderen Odenwald zu verlaufen. Dennoch fühlte ich auch Angst, nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu finden und dann auch der Kälte ausgesetzt zu sein. Vielleicht geht es ja nur darum, für etwaige Notfälle vorzusorgen. Das erinnert mich an die Geschichte von Christopher McCandless, der auf seiner Abenteuerreise in Alaska verhungerte/erfror, unter anderem weil er keine Landkarte dabei hatte.

Wenn wir also das Nötigste planen und dann loslassen… dann bringt uns das an ungeahnte Orte, weckt (Lebens-)Freude, ermöglicht neue Begegnungen, Erkenntnisse und Verbundenheit. Vielleicht wird loslassen dann auch zu einer inneren Einstellung die unabhängig davon ist, ob Technologie vorhanden wäre um die Kontrolle zu behalten.

In diesem Sinne werde ich für meine nächsten Monate das Nötigste planen – und dann loslassen. Ich bin gespannt auf dieses neue Jahr 2017 und wünsche euch allen, dass ihr auch loslassen könnt um die Abenteuer des Lebens zu erforschen!

Wald

*P.S.: Ja, ich habe einen Blogeintrag ausgesetzt letzte Woche. Wer hat es bemerkt?;)

 

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