Aotearoa, Land der langen weißen Wolke, nennen die Maori Neuseeland. Es stimmt, die Wolken hier sind tatsächlich lang und weiß, oder jedenfalls sehr speziell. Unzählige Bilder habe ich davon in letzter Zeit gemacht, und meine Freunde behaupten deshalb mit stolzgeschwellter Brust, Neuseeland habe die besten Wolken.

Heute will ich Dir eine kleine Geschichte darüber erzählen, was ich so treibe seit ich Laptop, Blackberry und Büroschlüssel abgegeben habe. Vielleicht ermutigt es Dich, einen Schritt ins Ungewisse zu wagen, der für Dich ansteht. Es muss ja nicht gleich ans andere Ende der Welt gehen.

Mich hat es hierhin verschlagen, ans „andere Ende“. Irgendwie hat sich alles so gefügt. Ich habe an einigen  entscheidenden Stellen in den vergangenen Monaten meinen Verstand zurück genommen, mein Herz mehr gespürt und dann bin ich ihm gefolgt. Meistens haben mich dabei andere Menschen unterstützt, indem sie mir die „richtigen“ Fragen stellten.

Freunde und Bekannte fragen mich oft: Bist Du jetzt für immer ausgewandert? Darauf weiß ich keine rechte Antwort. Ich weiß nur, dass das Leben für mich nicht so planbar ist und dass nichts für immer ist. Deshalb gehe ich Schritt für Schritt.

Der erste Schritt: Ankommen, physisch sowieso, und auch im Übrigen. Das heißt für mich, mich an den anderen Tag-Nacht-Rhythmus und an die neue Umgebung gewöhnen, sie erkunden, Menschen begegnen, in den Fluss dessen kommen, was ist und was sein will. Also habe ich viel geschlafen, war häuslich und auch in der unglaublich schönen Natur unterwegs, habe mir Ton besorgt und begonnen, töpfern zu lernen. Teilweise fühle ich mich wie ein kleines Kind, frage anderen Löcher in den Bauch und kann garnicht genug davon bekommen, Neues zu lernen. Ich beginne, mein „Chaos“ zu lieben, den Umstand dass mich so viele Dinge interessieren. Meine Neugier hat mich sogar dazu gebracht, meine erste Flugstunde in einem kleinen Flugzeug zu absolvieren – schon als kleines Mädchen wollte ich fliegen lernen, traute es mir jedoch bisher nicht zu.

Mein zweiter Schritt: Geld verdienen. Ich bin ein unglaublicher Glückspilz und kann tatsächlich für 12 Monate bei der Einführung eines Luftsicherheits-Managementsystems beraten. Das beinhaltet zwar auch Büroarbeit, ist aber nicht wirklich rechtlich und erfordert viel Kontakt mit Menschen sowie die Begleitung des „operativen Geschäfts“, das heißt konkret: im Helikopter mitfliegen oder vom Boden aus in umwerfend schöner Landschaft zuschauen, wenn der Helikopter seine Arbeit leistet.

Daneben will ich meine anderen Interessen nicht aufgeben, das ist eine Herausforderung. Die Mentalität hier erleichtert es mir dabei sehr, mich von der Freude leitet zu lassen. Das heißt nicht, dass alles perfekt ist – aber was ist schon perfekt? Ich bin jedenfalls gespannt, was als nächstes ansteht.

Fragen? Anregungen?

3 thoughts to “Land der langen weißen Wolke

  • ihn

    Ein wahrlich für mich ergreifender Beitrag. Spricht er doch von positiven Veränderungen, von Mut, Neuanfang, Angst und Überwindung der Angst. Und das in einer Zeit voller für uns nicht klar einschätzbaren Veränderungen weltweit. Für mich ein sehr ergreifend er Beitrag.

    Antworten
    • Yvonne Doritz

      Ja, Julia, das ist wahr – DU bist ein GLÜCKSPILZ! Und das ist gut und richtig so! Herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten Flugstunde und zu deinem wundervollen, neuen Job! Alles fügt sich, denn du bist am richtigen Platz. Und ja, was ist schon „für immer“ – ist unser Leben doch ohnehin nur ein sehr kleines Zeitfenster… und du verstehst es, dieses für ein deinem Herzen entsprechendes Leben zu führen! Das ist GROSS! Danke, dass du uns daran teilhaben lässt! Und ja, auch ich fühle mich inspiriert ! 🙂

      Antworten
  • Julia

    Vielen Dank ihr beiden für eure Kommentare! Ich freue mich sehr, dass euch der Beitrag berührt.

    Antworten

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.