Mein Heimatbesuch in Deutschland hatte früher begonnen als geplant weil meine Mutter krank wurde. Da kamen wir alle dem Erleben des Todes ganz schön nahe. Ich spürte, wie stark die Liebe in solchen Momenten sein kann. Das hatte ja auch meinen dazu verfassten Artikel inspiriert. 

Wann immer ich Gefahr lief, mich in meinem „Organisations-Modus“ zu verlieren, fiel mir dann auf, dass das Wichtigste, das ich tun konnte war, Zeit zu nehmen: Zeit mit meiner Mutter zu verbringen, mit ihr in diesem Moment zu SEIN. Also eigentlich gerade nichts zu tun sondern zu sein. Klar, ein bisschen Tun bedurfte es auch, bedarf es noch. Manches will vorbereitet werden für die Zukunft. Ich fand mal wieder, dass die Kunst darin besteht, mich nicht davon so vereinnahmen zu lassen, dass keine Zeit und Energie mehr bleibt um das Jetzt miteinander zu genießen. Miteinander zu lachen, zu weinen, zu sein. 

Der eigentlich geplante Teil meiner Reise begann dann Wochen später und betrifft nahezu das Gegenteil: Die Geburt meines Neffen. Wie nahe doch Leben und Tod beieinander liegen! 

Zwei Tage nach Ankunft bei meiner Schwester platzte ihre Fruchtblase und der kleine Knirps wurde einen Tag früher als geplant geboren. Was für ein berührendes Erlebnis! Auch bei der Geburt eines Kindes spielt die Liebe eine so große Rolle. Dieses kleine Wesen war von Beginn an so friedlich, ja fast schon neutral wie das Universum. Es wurde von Beginn an von so vielen Menschen geliebt, liebend empfangen. 

Gebannt beobachte ich nun, wie er Tag für Tag ein Stück weit mehr hier „ankommt“. Und wie wesentlich es ist, ihm einfach mit Liebe zu begegnen. 

Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich irgendetwas kaufen will, das ihm bzw. seinen Eltern das Leben erleichtert. Dazu will ich auch viel tun. Und dann besinne ich mich wieder, dass das wertvollste, das ich gerade „tun“ kann, ist, mit ihm und seinen Eltern zu SEIN. Diese Momente – jetzt, jetzt, jetzt – die kommen so nicht wieder. Der kleine Tayo wird, wenn ich ihn das nächste Mal sehe, vermutlich fast ein Jahr alt sein – dann steht er schon völlig woanders in seiner Entwicklung. Auch seine Eltern, die mich so nah an allem teilhaben lassen, werden noch mehr in ihre Elternrolle gewachsen sein. JETZT darf ich diese ersten Trippelschritte mit ihnen erleben, und bin so dankbar dafür. 

Nun kann man sagen das sind beides recht drastische Ereignisse, da erschließt sich das mit dem „jetzt sein“ ja einfach. Ich bin davon überzeugt, dass das nicht nur für solche „großen“ Ereignisse gilt. JETZT findet unser Leben statt, JETZT können wir es genießen und entscheiden, es zu genießen, indem wir mit dem sind, was IST. 

Womit fällt es Dir wohl leicht, im JETZT zu SEIN? Kannst Du wahrnehmen, wann Du gedanklich in die Zukunft (oder die Vergangenheit) abdriftest? Und wie kommst Du zurück ins Jetzt?

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