Ich lerne momentan, an der Drehscheibe zu töpfern. Besonders wichtig ist dabei, den Tonklumpen zu Beginn auf der Drehscheibe zu zentrieren, also dafür zu sorgen, dass die Masse gut zentriert liegt, so dass das Werk ebenmäßig werden kann. Ohne eine gelungene Zentrierung eiert der Ton unter Deinen Händen herum und es ist nahezu unmöglich, das später zu korrigieren.

Nicht so interessiert am Töpfern? Ich lade Dich ein, trotzdem weiter zu lesen. Mir geht es nämlich nicht ums Töpfern sondern darum, was es mit dem Zentrieren auf sich hat – und dafür bietet das Töpfern eine schönes Beispiel.

Auch unser Körper hat ein physisches Zentrum, das von besonderer Bedeutung dafür ist, ob wir in unserer Kraft sind oder nicht, ob wir Dinge realisieren können oder nicht. Dieses physische Zentrum liegt etwa zwei Fingerbreit unterhalb des Bauchnabels. Daneben haben wir ein energetisches Zentrum an dem wir unsere Energie zentrieren. Wir können nur in unserer Kraft sein, wenn wir unser energetisches Zentrum und unser physisches Zentrum aufeinander haben, also zentriert sind. Das ist ähnlich wie beim Töpfern: Ohne zentriert zu sein eiern wir herum und haben es schwer, das zu benennen und umzusetzen was uns wirklich wichtig ist.

Da das physische Zentrum sich nicht innerhalb des Körpers bewegen lässt bedeutet „zentrieren“ für uns, dass wir unser energetisches Zentrum auf das physische „legen“.

Vielleicht möchtest Du mal in Dich hinein spüren: Wo ist Dein energetisches Zentrum gerade während Du das hier liest?

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, doch bei mir ist das energetische Zentrum meistens im Kopf, also ziemlich weit weg vom physischen Zentrum. Oder ich gebe mein Zentrum gar an eine andere Person ab: Statt mich zu zentrieren und auszusprechen was ich brauche, überlasse ich einer andere Person (z.B. meinem Partner) Entscheidungen oder versuche sonst irgendwie, Verantwortung zu vermeiden. Das ist ziemlich bequem und macht mich „ungefährlich“. Und es ist nicht schlimm. Es führt nur dazu, dass ich nicht in meiner Kraft bin – was für mich auch mit Verwirrung darüber, was ich eigentlich will, einher geht.

Sich zu zentrieren bedarf ein bisschen Übung, wobei alles mit dem Wahrnehmen anfängt. Und dann braucht es: Wut. Genau die. Ähnlich wie Angst ist Wut oft negativ besetzt – sie gilt als zerstörerisch, kindisch, böse, usw. Dabei ist Wut nur das: Wut. Eine neutrale Energie, die uns unterstützen kann.

Beim Töpfern etwa musst Du Kraft einsetzen um die Hände wirklich still zu halten während Du den Ton zentrierst. Die Kraft kommt aus der Wut. Klar, es geht da nicht um hundert Prozent Wut sondern um einen Bruchteil. Auch um Dein energetisches Zentrum auf Dein physisches zu legen und dort zu halten brauchst Du einen gewissen Prozentsatz Wut – je nachdem wieviel sich für Dich richtig anfühlt.

Ein kreativer, schöpferischer Vorgang setzt für mich voraus, dass ich in meiner Kraft, also zentriert, bin und fürs Zentrieren brauche ich die Wut. Im Zentrum liegt also meine „Schaffens“-Kraft!

Jetzt interessiert mich natürlich, was Du davon hältst. Hast Du mit dem Zentrieren (auch in Bezug auf die Schaffenskraft) schon experimentiert?

 

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