Nun ist es so weit: Ich bin gegangen. Ich habe Laptop, Blackberry und Büroschlüssel zurückgegeben und es hat einmal mehr ein neuer Lebensabschnitt begonnen.

Von vielen meiner KollegInnen hörte ich beim Verabschieden, dass sie meine Entscheidung und meinen Mut bewundern. Ein Teil von mir hört das sehr gerne. Gleichzeitig trifft die Aussage auf einen zweifelnden bzw. nachdenklichen anderen Teil in mir.

Da ich den Schritt, einen richtig guten Job zu kündigen, ohne zu wissen was danach kommt, schon einmal getan habe und mir die Parallelen zu meiner jüngsten Situation bewusst sind, habe ich mich in den letzten Wochen mehrfach gefragt ob ich nicht auch vor etwas davon laufe. Oder, anders ausgedrückt: Es mag mutig sein, zu gehen ohne den nächsten Job in der Tasche zu haben. Und dann ist da diese Ahnung, dass es noch mutiger sein könnte, in einem Job zu bleiben und dort echte Veränderung anzustoßen und zu begleiten. Den Mut aufzubringen, zu sagen was für einen nicht so funktioniert und wie man es sich anders wünscht; sich voll zu zeigen mit all seinen Ecken und Kanten – auch auf die Gefahr hin, dass das nicht in das erwünschte Raster fällt. Den Mut zu haben, den Büroalltag spielerischer und bunter zu gestalten und sich wirklich einzubringen. Laut und deutlich Nein zu sagen, und auch laut und deutlich Ja zu sagen. Dinge anzusprechen, die nicht stimmig sind. Sich in den Dienst auch der KollegInnen zu stellen. All das und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

So konnte ich garnicht anders als meinen KollegInnen zu antworten, die hohe Kunst läge vermutlich darin, sich das Leben da wo man ist großartig zu gestalten. Nicht zu gehen, sondern zu bleiben.

Natürlich kommen auch andere Faktoren hinzu. Wo eine Veränderung nicht erwünscht ist darf man sich schon gut überlegen, ob man sich dennoch für die Veränderung „aufopfert“. Wer sich von Herzen Dinge wünscht, die in dem Rahmen in dem sie/er sich befindet, qua Definition keinen Raum haben, ist vielleicht wirklich im falschen Job.

Auch wenn ich mich entschieden habe, zu gehen, ist mir klar geworden, dass ich entscheiden kann, wie ich meinen Abschied gestalte. So kann ich entscheiden, im Jetzt zu bleiben und nicht auf den letzten Metern nur noch in der Zukunft zu leben; weiterhin freudvoll zur Arbeit zu gehen und den eigenen Abschied würdevoll zu gestalten.

Die Energie des Abschieds ist insofern eine ganz besondere, durfte ich feststellen. Sie erleichterte es mir, Dinge zu tun, die ich im Büroalltag bisher nicht tat – weil ich den Aufwand scheute oder mir sagte, es sei nicht wichtig. Und doch, es ist wichtig, Ideen umzusetzen, die das Zusammenarbeiten verschönern oder erleichtern können – und wenn sie noch so klein sind. Es ist nicht egal.

Mir war es eine große Freude, zu sehen mit welch’ einer Freude und Wertschätzung meine Anregungen aufgenommen wurden. Ich fühle nach diesem Abschied einfach große Dankbarkeit gegenüber all den Menschen, die sich mir auf diesem Weg geöffnet haben.

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2 thoughts to “Gehen oder Bleiben

  • Kiki

    Hallo Julia!

    Mal wieder ein sehr schöner Artikel. Ich finde es total spannend dir bei deinem Weg zuzusehen und mitzufiebern 🙂
    Meine persönliche Deadline steht inzwischen auch…noch knapp zwei Monate und ich verlasse das sinkende Schiff des Studentendaseins. Was danach genau passiert, weiß ich noch nicht. Ich habe schon seit langem den Wunsch einen eigenen Blog zu starten…ehrlich gesagt, haben mich deine Beiträge und deine Antworten auf meine Kommentare dazu ermutigt es endlich zu tun 🙂 Vielen Dank dafür! Ich befinde mich zwar noch in der Planungsphase, aber wenn es dann irgendwann soweit ist, gebe ich Bescheid… 🙂

    Viele Grüße & viel Kraft für deinen Weg,
    Kiki

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    • JuliA

      Hallo Kiki und vielen Dank für Deinen Kommentar, über den ich mich riesig gefreut habe!
      Das klingt gut – als würdest Du mit dem Ende Deines Studentendaseins Klarheit schaffen, dann ist Raum für Neues.:) Und wenn mein Blog Dich inspiriert, Deinen Wunsch nach Deinem eigenen Blog umzusetzen, dann freut mich das umso mehr.:) Das Schöne ist, dass es nicht perfekt sein muss sondern wachsen darf.
      Ich war übrigens reisend unterwegs als ich Deinen Kommentar gesehen habe und die letzten Tage mit Ankommen „beschäftigt“, deshalb antworte ich mal wieder reichlich spät.
      Nun wünsche ich Dir gutes Gelingen beim Abschiednehmen und Neugestalten!
      Herzliche Grüße
      Julia

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