Immer öfter sehe ich um mich und stelle erstaunt fest, dass ich mich wieder einmal in einem Raum befinde, indem die Mehrzahl Frauen sind. Ich genieße die Atmosphäre inzwischen sehr, auch und insbesodere wenn es mehr oder weniger zufällig entstandene Frauenräume sind.

Beim Töpfern zum Beispiel: Der Verein steht allen offen und doch sind meist nur oder jedenfalls überwiegend Frauen anwesend. Ich habe mich jetzt schon einige Male dabei ertappt, dass ich ganz ergriffen war von der friedvollen, gemeinschaftlichen und wertschätzenden Atmosphäre die in diesen Frauenräumen besteht. Das bedeutet nicht, dass ich Männer nicht schätze. Im Gegenteil, ich freue mich auch sehr über männliche Gesellschaft. Sie ist nur anders, die Atmosphäre ist dann anders.

Auch beim Vortrag zu Ernährung und ihrem Einfluss auf unser körperliches und seelisches Wohlbefinden füllte sich der Saal, der gut 300 Menschen fasste, nahezu ausschließlich mit Frauen. Der kostenlose Vortrag zu Selbstentwicklung und Coachingansätzen war weniger besucht – wir waren neben dem männlichen Coach zu viert: vier Frauen.

Nun könnte man behaupten dass das nun einmal alles eher weibliche Aktivitäten/Interessengebiete sind. Ja, das ist eine mögliche Betrachtungsweise. Eine andere ist, dass wir alle männliche und weibliche Qualitäten in uns tragen und damit auch männliche und weibliche Interessen haben können. Warum sollte Ernährung Männern weniger wichtig sein als Frauen? Warum sollten Männer nicht genauso viel Freude daran haben, etwas aus Erde (Ton) mit den Händen zu kreieren? Warum sollten Männer nicht ebenso interessiert daran sein, in ihre volle Kraft zu kommen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln?

Spätestens bei letzter Frage fühle ich Traurigkeit. Ich sehe hier um mich so viele Männer, die ich als unglücklich wahrnehme. Die ihr Mannsein durch starken Alkoholkonsum und eine Leidenschaft für Waffen definieren. Die davon träumen, ein Krieger zu sein und das ausleben, indem sie Kriegsfilme anschauen oder Kriegsspiele ansehen. Traurigkeit fühle ich dann, weil ich mir wünsche, dass sie von ihrem Tresen oder Sofa aufstehen und ihren Kriegermut nutzen, um in ihre Kraft zu kommen, die Welt zu verändern.

Ein anderer Impuls, der in mir aufsteigt ist, dass ich genug habe. Genug vom Patriarchat, von dem darin hoch gehaltenen Wettbewerb, dem damit einher gehenden Gegeneinander, Misstrauen, bis hin zu Terror. Lust auf mehr Weiblichkeit, die unsere Gesellschaft durchströmt, mehr Gemeinschaft, mehr Wertschätzung, mehr Liebe im Umgang miteinander. Weiblichkeit wie sie in Frauen ist, und auch Weiblichkeit wie sie in Männern lebt.

Deshalb fange ich bei mir selbst an, dachte ich – das ist wohl immer eine gute Idee – und kreiere einen Frauenraum, in dem ich im Kontakt mit anderen Frauen dazu experimentieren kann in unsere Kraft zu kommen: mit Gefühlsforschung, Naturerlebnissen, Schöpferinnenkraft und anderen Dingen. In jedem Fall von der Freude inspiriert. Den ersten Auftakt haben wir mit dem Besuch des Kinofilms „Wonder Woman“ getan – sehr empfehlenswert. Wie diese Frau zentriert und in ihrer Kraft ist, klar und liebevoll zugleich, inspiriert mich. Nun hoffe ich es finden sich noch ein paar Mutige und Abenteuerlustige für meine „Women’s Empowerment“-Gruppe!

Wie geht es euch in Frauenräumen? Stehen sie euch ausreichend zur Verfügung?

One thought to “Frauenräume”

  • ihn

    Eine unheimlich umfangreiche und weiten Bogen spannende Darstellung, ganz in meinem Sinne. Klar und einfach bedeutend. Deine Beiträge sind für mich immer wieder sehr anregend , laden zum nachdenken und zur Diskussion ein.Danke von ihn

    Antworten

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