Ich bin etwas spät dran mit meinem wöchentlichen Beitrag – am Wochenende war ich beim „Expand the Box“-Training. Hier meine kleine Geschichte dazu, welche Box ich da erweitert habe:

Es war einmal eine Box. Keine Schachtel aus Pappe oder Plastik, nein. Eine eher (für die Augen) unsichtbare Box. Darin steckten Geschichten, Annahmen, Glaubenssätze, Erklärungen, Erwartungen, Sichtweisen, und vieles mehr dieser Art.

Die Box war nicht schlecht oder gut, sie war einfach da. Zusammengestellt und gewachsen im Laufe der Zeit mit dem einzigen Ziel, mich zu beschützen: diese große, oft bedrohlich erscheinende Welt sicher zu machen für mich zunächst kleines Wesen und mein Überleben zu sichern. Diesen Auftrag erfüllte sie zweifellos.

Während ich aufwuchs veränderte sich meine Box. Sie wuchs ein Stück weit mit, bis sie groß genug war um mir genügend Schutz zu bieten.

Ich wuchs weiter. Und die Box? Sie erhielt festere Strukturen, Kleinigkeiten wurden ausgebessert, angepasst, und es wurden Beweise für ihren Inhalt gesucht, weiter Informationen gesammelt und in ihre Verteidigungsstrategie eingefügt Auch all das diente meinem Schutz, um mein Überleben zu sichern. Die Box erfüllte ihren Zweck.

Dabei entging meiner Box, dass ich älter geworden, gewachsen – und nach den Maßstäben unserer Gesellschaft erwachsen – war. Die Box verteidigte weiter das kleine hilflose Wesen, das ich einst gewesen war. Sie sah sich bestätigt, denn ich überlebte weiterhin.

Was die Box nicht interessierte, denn das war nicht in ihrem Auftrag enthalten, war ob durch ihren ausgeklügelten und verfestigten Schutz eine Mauer um mich errichtet wurde, die mich einsperrte und isolierte. Und so war es: meine Box war zu einem Schutzwall geworden, durch den ich nach außen geschützt war und durch den ich selbst nicht nach außen durchdrang. Dazu erzählte mir die Box ihre Sammlung an Geschichten und ließ sie wie eine objektive, unumstößliche Realität erscheinen.

Manchmal dämmerte mir, dass diese Stimmen in meinem Kopf nur eine Version der vielen möglichen Geschichten erzählten. Dann stand ich vielleicht gerade am Rande meiner Box und erahnte die unendliche Vielfalt an Möglichkeiten da draußen. Schnell kam ich  wieder zu dem Schluss, dass ich nun einmal „so sei“ und dass sich daran nichts ändern ließe. Die Strategie meiner Box war einmal mehr aufgegangen und so beschützte sie mich vor derart gefährlichen Gedanken über eine Welt außerhalb meiner gemütlichen Box-Zone.

Und so war mir der Unterschied zwischen mir und meiner Box nicht bewusst. Bis mir klar wurde: Ich bin nicht meine Box und ich habe mir meine Box selbst erschaffen. Wer also könnte meine Box verändern und erweitern?

Jawohl: Ich.

Als ich das erst einmal verstanden hatte standen mir ganz neue Möglichkeiten offen: Etwa meine Box kontinuierlich zu erweitern, an ihren Rand zu treten, die Boxen anderer Menschen zu erkennen und sie nicht mit den Menschen, die sie erschaffen hatten, zu verwechseln, und damit zugleich, in einen ganz anderen Kontakt zu treten.

Also entschied ich mich, diese Geschichte zu meiner Box hinzuzufügen. Denn die Box wird nicht verschwinden, nur verändern. Sie beschützt mich und ich kann sie gestalten.

One thought to “Eine kleine Box-Geschichte”

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