Ich habe mal gelesen, dass Männer unbewusst oft „Bullshit“ erzählen und Frauen unbewusst oft „Cowshit“.*

Fangen wir mit Bullshit an: Es soll bedeuten, dass zwar viel Relevantes gesagt wird, es aber nicht wahr ist. Im Unternehmenskontext heißt das etwa, dass in kommerziellen Verhandlungen die eigene Position durch maßlose Übertreibung unter Hinweis auf Kosten, Erlöse, interne Zwänge etc. gezeichnet wird. Ähnlich werden Projekte unter Hinweis auf Kostenreduktion, Effizienzsteigerung, Synergieeffekte u.ä. beworben und später gerechtfertigt.

Das ist alles durchaus relevant. Doch es ist leider oft zu einem erheblichen Teil nicht wahr. Seit ich davon gehört habe, nehme ich immer öfter wahr, wenn mir Bullshit erzählt wird. Und weil mich gleichzeitig das Wirken von männlichen und weiblichen Prinzipien in Unternehmen beschäftigt, beobachte ich, dass es der Ausfluss eines „unbewusst männlichen Prinzips“ ist. So nehme ich immer deutlicher wahr, dass die Geschäftswelt, in der ich mich bisher bewegt habe, von Männern für Männer geschaffen ist, und zwar aus diesem unbewusst männlichen Prinzip heraus, das etwa auf Leistungsdruck, Egoismus auf Kosten anderer, „ich gewinne – Du verlierst“, Angst, Konkurrenz, Streben nach dem eigenen Vorteil, Macht, Intransparenz, Bewertung, Exklusion, Lügen, Täuschung u.v.m. beruht. Das bedeutet nicht, dass Frauen nicht ihren Anteil daran haben. Sie erschaffen diese Welt ständig neu mit, indem sie angepasst mitspielen und das Spiel perfektionieren, um durch ebenjene Prinzipien auf der Karriereleiter nach oben zu steigen.
Wenn ich höre, dass Frauen im Schnitt bei gleicher Qualifikation weniger Geld verdienen als ihre männlichen Kollegen und mir gesagt wird, sie müssten „eben besser verhandeln“, dann übersetze ich das inzwischen in: selbst schuld wenn sie den Bullshit glauben, der ihnen erzählt wird. Ich durfte das selbst auch schon erleben. Gut, es ist meine Entscheidung, ein Gehaltsangebot zu akzeptieren – ich bin kein Opfer der Situation. Und ja, vielleicht war ich naiv. Offenbar ist Vertrauen in die Integrität des Gegenübers nicht ein honorierter Wert in einer solchen Geschäftswelt.
Ich fühle da schon eine gewisse Wut, und gleichzeitig versuche ich immer mehr, es nicht zu bewerten, also aus diesem Kreislauf heraus zu treten (s. dazu meinen Artikel Wahlsieg des Patriarchats). Stattdessen beobachte ich, was das Resultat eines solchen Verhaltens ist, und dann empfinde ich Traurigkeit: weil der Mensch in den Hintergrund tritt durch Ausrichtung auf Kennzahlen und aufs eigene machthungrige Ego. Weil sich auch die derartigen Akteure eines freudvollen Lebens in Verbundenheit berauben. Weil mit dem Wirken für ein gemeinsames Größeres ganz andere, außergewöhnliche Dinge möglich würden, und weil die Welt eine buntere sein könnte.
Was ich auch bei mir selbst feststellen konnte ist, dass ich unbewusst dazu überging, „Cowshit“ zu erzählen. Was sich dahinter verbirgt folgt dann im nächsten Beitrag!

 

* von Clinton Callahan im Possibility Manager Handbuch oder im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“.

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