Ist Dir schon einmal aufgefallen, welche Anstrengungen Du unternimmst, um die Kontrolle zu behalten? Oder eher: Um das Gefühl von Sicherheit aufrecht zu erhalten, das Dir den Eindruck vermittelt, Du hättest Kontrolle – über Dein Leben, Deine Arbeit, Deine Beziehung(en), etc.?

Daran ist nichts auszusetzen. Es könnte jedoch sein, dass es dazu führt, dass Du nicht das lebst, was Dir entspricht und dass Du nicht dem folgst, was Dein Herz begehrt, ja, was Deine innersten Sehnsüchte erfüllt. Es könnte vielmehr sein, dass Deine Lebendigkeit erst dort anfängt, wo Du „ausser Kontrolle“ bist.

Unsere Handlungen (oder Unterlassungen) dienen immer einer Absicht. Wenn ich mir nicht darüber bewusst bin, welche Absicht ich verfolge, dann – so stelle ich immer wieder fest – geht es mir meist um Kontrolle und Sicherheit. Das äußert sich etwa, indem ich versuche, Recht zu haben oder zu behalten, indem ich mich innerlich über jemanden stelle, oder indem ich mich von Menschen abwende, zurück ziehe, analysiere, meinem Verstand die Kontrolle übergebe, mit Härte reagiere, etc. Meine Werkzeuge sind da sehr vielfältig und dennoch ist es glaube ich ein Standardrepertoire, das ziemlich gängig und nicht besonders originell ist.

Und jetzt kommt meine neueste Erkenntnis: Ich habe keine Kontrolle. Nicht über andere Menschen und nicht über Situationen. Diese Kontrolle werde ich nie haben und deshalb werde ich nie Sicherheit im Außen finden. Das Einzige, das wirklich in meinem Einflussbereich liegt, ist mein Umgang mit Menschen und Situationen. Wenn ich mir meiner „wahren“ Absicht bewusst bin, kann ich für mich entscheiden, wie ich mit Menschen und Situationen so umgehe, dass es für mich stimmig ist – damit es dem entspricht was mir am Herzen liegt, was meine wahre Absicht ist. Ich kann dann im Einklang mit mir selbst handeln – und bin in meiner Kraft. Immer mehr habe ich den Eindruck, dass es für mich meistens um innere Verbundenheit, echte Begegnung, Transformation, „Gewinnen Geschieht“ und ähnliches geht.

Ich glaube, genau genommen habe ich dann immer noch keine Kontrolle, weil meine Absichten nicht wirklich planbar sind. „Außer Kontrolle“ bin ich mir allerdings meiner Kraft gewahr und weiss, dass ich jederzeit selbst entscheiden kann, auf meine Bedürfnisse zu achten. Dort entsteht für mich dann eben die Lebendigkeit: unkontrolliert dafür zu stehen, was meiner wahren Absicht entspricht.

Ich merke gerade, dass es mir schwer fällt, das zu beschreiben – es klingt alles recht abstrakt. Es ist auch nicht so, als wäre das alles neu für mich. Natürlich habe ich auch schon etwas in der Richtung gelesen. Letztlich geht es wohl darum, selbst zu erfahren, dass alles bei uns selbst anfängt. Alles.

Diese Lernspirale hört nicht auf, es ist glaube ich eher ein ständiger Prozess. Was es wiederum spannend macht – ausser Kontrolle eben!

Wie geht es Dir mit diesem Beitrag? Kannst Du das nachvollziehen, hast Du dazu selbst Erfahrungen gemacht, oder habe ich Dich verwirrt? Ich freue mich über Deine Rückmeldung!

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