Was verbindest Du mit diesem Wort? Was bedeutet Arbeit für Dich? Denkst Du dabei an Freude und Ausgelassenheit?

Mir kommt immer öfter in den Sinn, dass ich das Wort „Arbeit“ nicht sehr mag – jedenfalls so, wie ich es als oftmals verstanden wahrnehme: Arbeit im Gegensatz zu Freizeit. Arbeit im Gegensatz zu Leben. Arbeit als etwas Ernstes, Schweres, Belastendes. Als Durststrecke zwischen den Urlauben.

Leben ist Leben. Da steckt all das drin, was wir in den zahllosen, aneinandergereihten Momenten tun, sind, erleben, die unser Leben ausmachen. Also auch Arbeit. Wie können wir diese Zeit ernsthaft vom Leben abgrenzen wollen? Wie kann es uns ernsthaft um eine „Work-Life-Balance“ (Arbeit in der einen Waagschale, Leben in der anderen) gehen?

Ich habe einige Menschen getroffen, die mir gesagt haben, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht. Ich habe sehr wenige Menschen getroffen, die das auch ausstrahlen. Von vielen habe ich gehört, dass sie sich ein anderes Leben wünschen (wenn die Umstände anders wären) – das ist der Gesprächsstoff bei dem ich dann ein fernes Funkeln in den Augen dieser Menschen erkennen kann.

Immerhin eignet sich „die Arbeit“ zum Jammern über den Stress, den wir wahrnehmen, über die unfairen KollegInnen und Vorgesetzten, die zu geringe Bezahlung, usw. Das scheint interessanterweise – wie meine jüngste empirische Studie zeigt – in Deutschland nicht anders zu sein als im „dauerhaft entspannten“ Neuseeland. Alle haben ständig zu viel Arbeit zu tun. Das gehört zum guten Ton. Und es kreiert eine ganz eigenartige Atmosphäre, in der nur schwer Lebendigkeit entsteht.

Als ich nun eines sonnigen Tages einer Freundin hielf, ihre Kunst-Ausstellung aufzubauen, und mir eine andere Freundin am Ende sagte, das sei ja eine ganz schön harte Arbeit gewesen, war ich ziemlich perplex. Ich hatte es nicht als „harte Arbeit“ empfunden! Ich hatte Freude daran gehabt! Das sagte ich ihr auch. Bei mir wirkte das nach – ich habe den Eindruck, dass in unserer Kultur etwas erst an Wert gewinnt, wenn es „hart“ war und am besten auch „Arbeit“. Harte Arbeit – darüber können wir uns beschweren und gleichzeitig sind wir dann wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft.

Beim Schreiben merke ich, dass die Abgrenzung zwischen „Arbeit“ und „Freude“ in mir selbst recht tief verankert ist. Vielleicht ist das kein Wunder wenn ich mir die Wortentstehung ansehe: sie ist zwar nicht ganz klar, führt aber ins Germanische, Altkirchenslawische („Sklaverei“) und Mittelhochdeutsche und rührt zuletzt von Wörtern der Bedeutung „Mühe“, „Mühsal“,  „Strapaze“ her. Das französische „travail“ geht noch drastischer zurück auf ein mittelalterliches Folterinstrument!

Vielleicht ist es Zeit für ein neues Konzept von Arbeit und ein neues Wort dafür. Das Konzept entsteht vermutlich bereits neu und wir können es mitgestalten. Können wir auch ein anderes Wort erfinden um zu bezeichnen, womit wir uns – freudvoll – beschäftigen, ohne dass es „nur“ ein Hobby ist? Fällt euch ein holistischer Begriff ein, der Arbeit nicht vom Leben abgrenzt?

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.