Ein weiterer Gedanke zum vorigen Beitrag: Das Gefängnis bauen wir uns meist selbst. Vielleicht sogar immer. 

Ich bin in den letzten Tagen durch ziemlich viel Angst gegangen und stellte wieder einmal fest, dass mein Umgang mit der Angst darüber entscheidet, wie frei ich bin. Weiche ich ihr aus? Gehe ich in eine Angststarre? Laufe ich davon? Dann bin ich unfrei in meinen Handlungen denn ich tue das, was ich immer getan habe, und es wird mich immer wieder in dieselben Situationen bringen. 

Oder akzeptiere ich die Angst? Lasse sie vielleicht sogar größer werden, so groß es eben geht in diesem Moment. Und dann warte ich. Lasse mir Zeit. Bleibe.  Plötzlich werden andere Handlungsmöglichkeiten verfügbar. Ich habe Gelegenheit, in mich hinein zu spüren. Zu spüren, was für mich ansteht, was für mich die richtigen Schritte sind, welche Bedürfnisse ich habe, die unter der Angst liegen. Das können Liebe, Wertschätzung, eine Umarmung, Verbundenheit sein. Wenn ich davon laufe versage ich mir genau diese Dinge und sitze in dem von mir selbst errichteten Gefängnis fest.

Die Angst derart zuzulassen ist nicht einfach. Sie fühlt sich körperlich schmerzhaft an. Es ist, als läge ein Feuerring um das Herz und als würden die Innereien brennen. So weit bin ich bisher gekommen; wenn Sie noch größer wird dann kommt vielleicht auch ein Ton. Interessanterweise habe ich auch festgestellt, dass es mir helfen kann, neue Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, wenn ich dann noch an meine Freude anknüpfe. Also in einer Situation, in der alles dramatisch erscheint, meine Freude aufleben lasse im Hinblick auf Aspekte der Situation, über die ich mich freuen kann.

Gab es zum Beispiel einen Konflikt mit meinem Partner, die Situation ist angespannt und es kommt eine große Verlustangst hoch, dann kann ich mich immer noch darüber freuen, diesen Menschen zu sehen, mit ihm zu sein. Das verändert alles. Das ist nicht einfach und funktioniert nicht unbedingt auf Anhieb. Kleine Schritte können ein Anfang sein.

Eine andere Möglichkeit die mir bewusst wurde ist, zu erspüren was unter der Angst liegt, also richtig physisch. An diesen tiefen Kern in mir anzudocken und zu akzeptieren, dass er unverwüstlich ist. Dann komme ich wieder in Einklang mit allem, was ist und fühle mich kraftvoll, genährt. 

Ich lerne da momentan sehr viel über mich und meine Geschichten aus der Vergangenheit, über den Spiegel der mir durch mein Gegenüber vorgehalten wird, darüber, was unter den gewohnten Verhaltensmustern wirklich los ist. Das empfinde ich als befreiend und stärkend, auch wenn es ein ständiger Lernprozess ist.

Wie gehst Du in Krisen mit Dir und Deinem Gegenüber um? Was machst Du mit Deiner Angst, was mit Deiner Freude? Spürst Du Dein Innerstes?

NB: Ich erhalte nicht viel Feedback auf meine Fragen – vielleicht ist es nicht das angemessene Forum. Deine Antworten auf meine Fragen interessieren mich ernsthaft und ich freue mich auch, wenn Dich die Fragen einfach anregen, ihnen für Dich selbst nachzugehen.

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